Was sind Sustainable Develpoment Goals (SDGs)?

Im Juni 2012 wurde in Rio de Janeiro, Brasilien, auf der Rio+20-Konferenz die Entwicklung von globalen Nachhaltigkeitszielen beschlossen. Die Ziele dieser SDGs (Sustainable Development Goals) sollen die Herausforderungen der Armutsbekämpfung, des Umweltschutzes, des nachhaltigen Konsums sowie der nachhaltigen Produktion betreffen und könnten Teil einer solchen Post-2015-Agenda werden. Sie dienen darüber hinaus dazu, die Lücken der MDGs zu schließen und mit dem bereits laufenden MDG-Prozess zu verknüpfen.

Diese Post-2015-Initiative muss die veränderten globalen Rahmenbedingungen und die Verschiebung von Entwicklungsparadigmen berücksichtigen. Die bisherige Aufteilung in „den reichen Norden“ und „den armen Süden“ verwischt immer mehr. Frühere „klassische Entwicklungsländer“ wie Indien, China oder Brasilien sind heute wichtige ökonomische Impulsgeber, von deren Wachstum viele andere Regionen profitieren.

Viel stärker als bisher müssen ökologische Probleme des übermäßigen Ressourcenkonsums beachtet und alle relevanten Akteure – im Norden wie im Süden – einbezogen werden. Auch hier spielen Kommunen mit ihren vielfältigen Ansätzen und Erfahrungen eine wichtige Rolle und bieten vielfältige Lösungsansätze zur Verwirklichung einer nachhaltigen Entwicklung.


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>> UN Sustainable Development Knowledge Platform

>> UN Open Working Group on Sustainable Development Goals

 

 

Die Milleniumskonsumziele als Beitrag für eine Post-2015-Entwicklungsagenda

Foto: Tobias Hase

Vielfältige Herausforderungen wie Armut, Ressourcenknappheit, Hunger, Krankheiten und Umweltschäden bedrohen unsere Zukunft. Grundlegende Ursachen liegen in den unnachhaltigen Konsum- und Produktionsweisen. Daher müssen wir unser Handeln darauf ausrichten umfassende Lösungen zu finden, die mehrere Probleme gleichzeitig beheben können. Die globale Wirtschaft nutzt bereits Ressourcen, die dem Konsum von fast 1,5 Erden entspricht, wobei die reichsten 1,4 Milliarden Menschen beinahe 85 Prozent der globalen Produktion konsumieren – mehr als das 60-fache des Konsums der 1,4 Milliarden ärmsten Menschen. Der heutige Konsum der Wohlstandsgesellschaft ist nicht nur ökologisch nicht nachhaltig, sondern beeinträchtigt auch das Leben der ärmeren Bevölkerung und verschärft somit bestehende Ungleichheiten.

Um sich diesen Herausforderungen zu stellen, wurden 2011 die Millenniumskonsumziele (Millennium Consumption Goals, MCGs) den Vereinten Nationen als Vorschlag unterbreitet. Sie stellen eine Möglichkeit für ein umfassendes Rahmenprogramm zur nachhaltigen Entwicklung in der Post-2015-Agenda dar. Die MCGs fordern u.a. ein Umdenken in den Industrienationen und verstehen sich als Ergänzung zu den MDGs. Im Gegensatz zu den MDGs wendet sich das Konzept der MCGs vor allem an die 20 Prozent der wohlhabenderen Weltbevölkerung: Das sind nicht nur die „Reichen“ in den Industrieländern, die für den Verbrauch von 80 Prozent der Naturressourcen verantwortlich sind, sondern auch jene im globalen Süden. Die MCGs zeigen auf, dass eine umfassende Armutsbekämpfung nur mit einer Reduktion des weltweiten Ressourcenverbrauches einhergehen kann. Die Millenniumskonsumziele setzen an den drei Säulen der Nachhaltigkeit an:

  • Ökologie: Die Natur respektieren und den Ressourcenverbrauch auf ein nachhaltiges Niveau innerhalb der natürlichen Kapazitäten der Erde verringern
  • Gesellschaft: Die elementaren Grundbedürfnisse befriedigen und eine gerechtere Verteilung des Konsums anstreben
  • Wirtschaft: Nachhaltigen Wohlstand für alle unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Effizienz und ökologischen wie sozialen Nachhaltigkeitsbedingungen fördern.

Obwohl die MCGs ein neues Konzept darstellen, bauen sie auf der ursprünglichen Agenda 21 der Rio-Konferenz 1992 auf, die bereits eine gezielte Auseinandersetzung mit nicht nachhaltigen Produktionsweisen und Konsumgewohnheiten forderte. Dies wurde auch auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung 2002 in Johannesburg hervorgehoben. Basierend auf den „Sustainomics“, die eine Schritt-für-Schritt-Methode liefern, um Entwicklung nachhaltiger zu gestalten, sind hier die Menschen direkt angesprochen in ihrem Lebensbereich unmittelbar aktiv zu werden und nicht nachhaltige Handlungsweisen zu unterlassen.

Die MCGs verstehen sich – neben der Agenda 21, einer nachhaltigen Wirtschaft (Green Economy) oder den diskutierten Nachhaltigkeitszielen – als ein wichtiger Baustein der verschiedenen Post-2015-Entwicklungsinitiativen. ziel ist die Regierung des Konsums der Wohlhabenden in allen Ländern – zur Freisetzung von Ressourcen, die die Grundbedürfnisse der ärmeren Bevölkerung decken könnten. Anstatt die Wohlhabenden generell als ein Problem zu verstehen, werden sie mit einbezogen und motiviert Teil einer Lösung zu sein – ohne dabei ihre Lebensqualität zu mindern. Dieser Perspektivenwechsel hat einen großen potentiellen Nutzen, denn schon geringfügige Veränderungen innerhalb ihres enormen Anteils am Ressourcenverbrauch und seinen Folgen, könnte die Umweltbelastung deutlich reduzieren und Ressourcen zur Armutsbekämpfung freisetzen. Als Beispiel sei hier der heutige Überkonsum und die damit einhergehende Abfallproduktion genannt: Privathaushalte in Westeuropa schmeißen 30 Prozent ihrer gekauften Lebensmittel weg; in Nordamerika sind es sogar fast 50 Prozent. Mit einem gesünderen Ernährungs- und Lebensstil, können wir nicht nur Ressourcen sparen, sondern auch die Lebensqualität der Bevölkerung verbessern. Um ein Umdenken in unserer Gesellschaft zu erreichen, bedarf es sowohl Top-down- als auch Bottom-up-Ansätze: Wir müssen globale ziele definieren um zu einer gerechten Konsumverteilung zwischen Ländern, Städten und anderen privaten wie wirtschaftlichen Akteuren zu kommen. Während im Top-down-Verfahren die internationalen Verhandlungen über eine nachhaltige Post-2015-Entwicklungsagenda weiter diskutiert werden, hat die „Initiative zu den Millenniumskonsumzielen“ (Millenium Consumption Goals Initiative, MCGI) bereits einen intensiven Bottom-up-Prozess gestartet, der weltweite Unterstützung erhält. Die MCGI umfasst die freiwillige Pionierarbeit vieler Individuen, Gruppen, Organisationen, Unternehmen, Kommunen, Regionen und Staaten, die bereit sind eigene und freiwillige Ziele zu setzen.

Das Klima-Bündnis unterstützt die Initiative der MCGs, da es als Netzwerk von europäischen Kommunen mit indigenen Völkern der Regenwälder, die Bedeutung von lokalen Entwicklungsprozessen erkannt hat und unterstützt. Verwaltungen auf internationaler und nationaler Ebene müssen hier ihren Beitrag leisten, um einen lokalen und länderspezifischen Ansatz zu entwickeln. Kommunen sind hier wichtige Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit, die lokale Veränderungen aufgrund der Nähe zu ihren Bürgerinnen und Bürger hervorrufen können. Nicht nachhaltige Denkweisen zu verändern ist eine große Herausforderung. Der „Washington Consensus“, der das Regierungsdenken in den 1990ern prägte und zum gegenwärtigen Wirtschaftskollaps führte, besteht immer noch fort. Allerdings sind viele Bürgerinnen und Bürger, Privatunternehmen und Entscheidungsträger den nationalen Regierungen, hinsichtlich nachhaltiger Entwicklung bereits voraus. Eine ausschließlich marktbasierte Entwicklung, ohne ökologische und soziale Kriterien, wird keine Nachhaltigkeit garantieren. Deshalb brauchen wir dringend die Umsetzung der Millenniumskonsumziele, da diese einen Schwerpunkt auf nachhaltigen Konsum und nachhaltige Produktion legen und somit eine nachhaltige Zukunft für unsere Kinder und Enkelkinder sicherstellen.

Mohan Munasinghe

Foto: Tobias Hase

Prof. Mohan Munasinghe ist Leiter des Munasinghe Institute of Development (MIND) und Professor für Nachhaltige Entwicklung am Institut für Nachhaltigen Konsum der Universität Manchester. Er hat mit dem Prinzip der „Sustainomics“ ein umfassendes System geschaffen, das verschiedene Disziplinen bei der Entwicklung von Nachhaltigkeit zusammenbringt. Munasinghe ist Physiker, Ingenieur und Ökonom, er vertrat seine Theorien unter anderem beim Weltklimagipfel in Rio de Janeiro 1992 und war Mitglied im Umweltstab des amerikanischen Präsidenten.