Villach: Bio-Essen im Kindergarten

Wie überall auf der „Einen Welt“ beginnt unsere FairAntwortung bei den Kleinsten – bei unseren Kindern. Und für sie hat Villach außergewöhnliches geleistet. Bereits 1996 starteten die Planungen für BIO-Essen in den Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen. Drei Jahre später startete man mit der Umsetzung. Inzwischen erreichen die 13 Kindergärten und 7 Horte einen BIO-Anteil von ca. 65 Prozent. Alle Kindergärten und Horte haben eine eigene Küche und kochen täglich frisch. Und das zu den gleichen Kosten wie vorher. Der Wareneinsatz liegt pro Essen bei 64 Cent und ist somit für alle Bevölkerungsgruppen leistbar.

Bei jährlich 213.000 Essen ist jedes Essen ein Beitrag zum Klimaschutz. Vor allem wenn man bedenkt, dass ein Drittel der Umwelt- und Klimabelastungen mit unserer Ernährung zusammenhängen. Die Umstellung wirkte sich mehrfach positiv aus. Da das Essen den Kindern besser schmeckt, wurde gleichzeitig auch das Müllaufkommen deutlich reduziert. Nicht zu vergessen: das gute „Betriebsklima“ und der Stolz der Verantwortlichen. Die Verbundenheit aller beteiligten Akteure mit dem Erfolgsprojekt ist sehr hoch. Derzeit werden alle Betriebe mit Hochbeeten ausgestattet, die frische Kräuter und Gemüse vom Anbau bis zur Ernte liefern. Fragt man nach dem Erfolgsgeheimnis bekommt man eine einfache Antwort: „Es sind die KöchInnen und MitarbeiterInnen vor Ort, die mit Freude und Begeisterung täglich frisch zubereitetes Essen auf den Tisch bringen!“

Das Bekenntnis des Bürgermeisters Helmut Manzenreiter trägt dazu bei, dass BIO-Lebensmittel und gesunde Ernährung zu einem wichtigen Anliegen aller Beteiligten in den Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen geworden ist. Kinder, Eltern und MitarbeiterInnen wissen dies sehr zu schätzen. In anderen Städten wurden die KöchInnen gekündigt und die Lieferung erfolgt nun durch eine Zentralküche. Der Wareneinsatz liegt dort pro Essen bei ca. 46 Cent. Die Einsparungen gehen natürlich nur auf Kosten der Qualität. Unmittelbare Folge: Sinkt die Qualität des Essens, steigt das Müllaufkommen! Ein Problem, das die Villacher Kindergärten nicht haben. Zum Erfolgsrezept in Villach gehört das Zusammenspiel eines lokalen Netzwerkes. Die Kindergärten werden vom Bioboten beliefert. „Wir haben über 30 Biobetriebe als Partner. Sie bieten eine Produktvielfalt von Apfelsaft bis Ziegenkäse an“, so BIO-Pionier Rudi Löschenkohl. Er liefert auch das Getreide für den Bäcker Manfred Raudaschl, der daraus ein Brot bäckt, das in der Region bereits Kultstatus hat: „Mit der Lieferung durch den Bioboten habe ich die Transportkosten halbieren können.“

Zentraler Angelpunkt des lokalen Netzwerkes ist der Alpen Adria BIO Markt mit der Vielfalt der Region, die von Villach bis ans Mittelmeer reicht. Über 20 Biobauern aus Friaul, Slowenien, der Steiermark und Kärnten bieten ihre handwerklich hergestellten Lebensmittel zum Verkauf an. Karl Heinz Müller, der das Biobrot der Bäckerei Nadrag anbietet, ist einer von ihnen: „Wir freuen uns immer sehr, wenn die Kinder aus den Kindergärten zu Besuch kommen.“

Ein Höhepunkt des Jahres ist in Villach das interkulturelle Straßenfest. Weit über tausend Menschen werden mit „bio & fair cooking“ vom Klimabündnis Österreich und dem Weltladen fairköstigt. MigrantInnen bereiten ein Menü für eine bessere Welt, die Zutaten stammen ausschließlich aus biologischer Landwirtschaft und aus gerechtem Welthandel. Bio & Fair Trade Esskultur dient dem Klimaschutz, der Einhaltung der Menschenrechte, der artgerechten Tierhaltung und natürlich unserer Gesundheit. So werden Schritte gesetzt die der Erreichung MDGs dienen. Es ist ein Fest ohne Alkohol.