Mehrwert schaffen durch Vernetzung: Bonner Netzwerk für Entwicklung

Kommunale Entwicklungszusammenarbeit hat in Bonn Tradition: Bereits 1999 verabschiedete der Rat der Stadt Bonn ein Konzept für internationale Zusammenarbeit, das die Grundlage bildet für die entwicklungspolitische Zusammenarbeit mit Städten im globalen Süden. Sechs so genannte „Projektpartnerschaften“ unterhält die Stadt Bonn heute mit Städten in Afrika, Lateinamerika und Zentralasien. Diese kommunalen Partnerschaften dienen einer sozial und ökologisch gerechten, nachhaltigen Entwicklung. Projekte liegen zum Beispiel im Bereich des Klimaschutzes, der Daseinsvorsorge, der schulischen Bildung oder der entwicklungspolitischen Öffentlichkeitsarbeit.

Auch zur Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) können Städte und Gemeinden einen wichtigen Beitrag leisten, zum Beispiel durch fairen Handel, ökologisch und fair ausgerichtete Beschaffung, Klimaschutz und den Einsatz erneuerbarer Energien sowie die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und kommunale Partnerschaftsprojekte mit dem Süden. Dabei kommt es in besonderer Weise darauf an, die Bürgerinnen und Bürger in diesen Prozess einzubeziehen, Bewusstsein zu schaffen für die globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, Betroffenheit zu vermitteln und Engagement zu wecken.

Bürgerschaftliches Engagement fördern: Bonner Netzwerk für Entwicklung

In Bonn gibt es ein breites gesellschaftliches „Eine-Welt-Engagement“. Dennoch sind vielen Menschen die MDGs noch immer wenig vertraut. Daher hat die Stadt Bonn im Jahr 2011 ein Netzwerk initiiert, das den vielen entwicklungspolitisch engagierten Akteuren „an der Basis“, wie Schulen, Vereinen, Initiativen und Kirchengemeinden, eine Plattform zur Vernetzung und zum Austausch untereinander bieten soll. Das „Bonner Netzwerk für Entwicklung: Verantwortung – Gerechtigkeit - Zukunft“ hat zum ziel, die MDGs in die Bonner Öffentlichkeit zu tragen und Unterstützung für eigene Projekte und Initiativen zu gewinnen. Mehr als 50 kleinere Vereine und Initiativen – die allermeisten werden ehrenamtlich betrieben – gehören diesem Netzwerk bereits an. Da die Ressourcen der Mitglieder sehr beschränkt sind, hat die Stadt Bonn einen externen Moderator mit koordinierenden Aufgaben im Netzwerk beauftragt.

Das Bonner Netzwerk für Entwicklung ist in der Öffentlichkeit sichtbar – nicht nur durch ein Dachlogo, das von allen Partnern genutzt werden kann, sondern auch durch seine Veranstaltungen und Projekte. Die Zusammenarbeit im Netzwerk ermöglicht es den Partnern, gemeinsam Veranstaltungen in Angriff zu nehmen, die von den jeweiligen Partnern alleine nicht hätten durchgeführt werden können. Ein Beispiel ist eine Veranstaltungsreihe in Kooperation mit der Volkshochschule der Stadt Bonn, die die MDGs aus unterschiedlichen thematischen Blickwinkeln beleuchtet und globale Probleme wie Hunger, Wasser, Müll etc. aufgreift. Dabei bringen sich die Mitglieder als Vortragende oder mit eigenen Veranstaltungen ein. Auch künftig sollen Diskussionsveranstaltungen, Ausstellungen, Filmabende oder Aktionstage dazu beitragen, die MDGs öffentlich und transparent zu machen, Engagement zu mobilisieren und vor allem die Bürgerinnen und Bürger darin zu unterstützen, mit verantwortungsbewusstem Handeln die Umsetzung der MDGs zu fördern.

Öffentlichkeit schaffen: Bonner Millenniumstag

Um möglichst viele Bürgerinnen und Bürger zu erreichen, bedarf es öffentlicher Veranstaltungen. Das Bonner Netzwerk für Entwicklung rief deshalb am 14. Juli 2012 zum ersten Bonner Millenniumstag auf. Für einen Tag entstand auf dem Münsterplatz ein Ort der Begegnung und des Austausches. In acht zelten präsentierten sich die Netzwerkpartner mit ihren Beiträgen zum Gelingen der acht MDGs und einer zukunftsfähigen, gerechten Welt. In Diskussionsrunden setzten sich Referenten aus der Entwicklungspolitik und Zivilgesellschaft mit der Frage auseinander, welchen Beitrag Bürgerinnen und Bürger zur Erreichung der Ziele leisten können. Mehrere Hundert Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, um sich einen Einblick in die Vielfalt entwicklungspolitischen Engagements in Bonn zu verschaffen, sich an einem Quiz zu beteiligen, den von Kindern und Jugendlichen gestalteten Skulpturenpark zu entdecken oder faire und nachhaltige Speisen und Getränke zu genießen.

Vernetzung schafft Mehrwert

Netzwerken schafft Mehrwert, nicht nur lokal. Das Bonner Netzwerk ist Teil eines europäischen Projekts, das die Stadt Bonn als Leadpartner gemeinsam mit dem Klima-Bündnis und Kommunen und Nichtregierungsorganisationen aus mehreren europäischen Staaten durchführt. Das Projekt „Networking in Europe – Local Goverments meet the MDGs“ bietet eine hilfreiche Plattform für den fachlichen Austausch. Oxford (Großbritannien) z. B. ist nicht nur seit langem Partnerstadt des Stadtbezirks Bonn, sondern seit 2003 auch „Fair-trade City“. Zwischen Oxford und der „Fairtrade Town“ Bonn gibt es eine enge Zusammenarbeit zum Thema „Fair Trade“ mit Fachaustausch und gemeinsamen Veranstaltungen, z. B. im Rahmen der „Fairen Woche“. Mit der Bonner Partnerstadt Potsdam, ebenso wie Oxford auch Partner im MDG-Projekt, gibt es einen Austausch im Bereich des Klimaschutzes. Neue Impulse kommen aus der Zusammenarbeit mit den osteuropäischen Mitgliedsstaaten. Die Erfahrungen der Stadt Nagykanizsa (Ungarn) und des ungarischen Umweltvereins Reflex sind besonders wertvoll für alle Partner. Die Stadt Villach in Österreich schließlich verfügt über große Erfahrung im Umwelt- und Klimaschutz und kann diese an die Netzwerkpartner weitergeben.

Multiplikatoren einbeziehen

Im Rahmen der Kooperation sind Erfahrungen und Kompetenzen in eine Datenbank mit guten Beispielen eingeflossen, die nicht nur den Netzwerkpartnern, sondern auch allen Mitgliedsstädten des Klima-Bündnis zur Verfügung steht. Auch auf europäischer und internationaler Ebene trägt das Projekt zur Vernetzung bei, z. B. durch den Kontakt mit Multiplikatoren im Rahmen der Jahrestagungen des Klima-Bündnis oder bei internationalen Konferenzen und Workshops wie der „Bonner Konferenz für Entwicklung“ des Landes NRW. Ein Erfolg ist auch die Kooperation mit der Millennium-Consumption-Goal-Initiative des Friedensnobelpreisträgers Prof. Munasinghe, der im September 2011 auf Einladung der Stadt Bonn und des Klima-Bündnis mit internationalen Städtevertretern zusammenkam. Insgesamt konnte so in nur drei Jahren ein Netz des Kontakts und Austauschs geknüpft werden, das weit über die beteiligten Projektpartner hinausreicht und auch nach Abschluss des Projekts Bestand haben wird.

Broschüre vom Bonner Netzwerk

Das Bonner Netzwerk für Entwicklung publizierte im Dezember 2013 eine Broschüre - lokale Iniativen und Organisationen präsentieren sich und Aktionen des Bonner Netzwerks werden vorgestellt.

Bonner Netzwerk für Entwicklung - Verantwortung, Gerechtigkeit, Zukunft